Krampusumzug in Murau | © Steiermark Tourismus | ikarus.cc

Brauchtum im Winter

Die zahlreichen Bräuche rund um Weihnachten, vor allem in der Adventzeit und zu den Feiertagen, werden in der Region Murau-Kreischberg in der Steiermark hochgehalten. Die dunkle Jahreszeit hat in dieser Gegend von Österreich ein paar schaurig-schöne, aber auch lichtbringende Traditionen hervorgerufen. Die Brauchtumspflege und die Überlieferung dieser Gepflogenheiten liegt nicht nur mehr bei den Älteren, sondern auch immer mehr junge Menschen engagieren sich für gelebtes Brauchtum. Bei den Perchten und Krampus & Nikolaus Umzügen ist das besonders zu beobachten.


Die Teufelsgestalten der Steiermark

Vor allem in der Vorweihnachtszeit ab November findet man in und um die Region Murau-Kreischberg zahlreiche Brauchtumsveranstaltungen, bei denen man leicht einen Schrecken davon tragen kann. Die Teufelsgestalten mit ihren schaurig-schönen Masken, die oft in kleinen oder größeren Gruppen unterwegs sind, verstehen es nicht nur Kindern Angst einzujagen. Das zottelige Fell, die langen Hörner, die böse dreinschauenden Masken, die lauten Kuhglocken, rasselnde Eisenketten oder dicke Ruten – all das trägt zum beängstigenden Erscheinungsbild der Perchten und Krampusse bei. Zur Erleichterung vieler interessierter Zuseher werden sie oft von einer Nikolausfigur begleitet und ein Umzug so gestaltet, dass der Zuseherbereich abgesperrt vom wilden Treiben ist.

 

Perchten

Von November bis Jänner finden in vielen Orten der Region die berüchtigten Perchtenumzüge statt. Dabei ziehen schaurig-schöne Perchten mit Holzmasken, Hörnern und Fellen verkleidet durch die Straßen, begleitet von anderen Schreckensgestalten und viel Lärm. Die Perchtl oder Perchte ist ursprünglich eine alte mystische Figur und in alten mündlichen Überlieferungen fast immer eine alte Frau ähnlich einer Hexengestalt. In Sagen tritt diese Wintergestalt vor allem in den Raunächten zwischen 25. Dezember und 6. Jänner auf. Die Mythologie um diese Figur hat sich vor allem in ländlichen Gegenden und unter Bauersleuten sehr stark erhalten, woraus sich dann auch die Perchten in Teufelsgestalt abgeleitet haben. Oft werden diese Perchtenumzüge auch von diesen ursprünglichen Perchten, hexenähnliche Frauengestalten in alten Fetzen gekleidet und mit einem Buckelkorb am Rücken, begleitet. In Murau findet alle zwei Jahre Anfang Dezember ein großer Perchtenumzug organisiert von den Murauer Schlossbergteufeln durch die Altstadt statt, wobei auch viele Perchtengruppen aus der nahen und ferneren Umgebung teilnehmen.

 

Krampus und Nikolaus

Der Krampus ist im alpenländischen Brauchtum ein schauriger Geselle der Adventszeit, ähnlich den Perchten. Traditionell findet am 5. Dezember, dem Krampustag, ein Krampuslauf statt, bei dem die Teufel mit Ruten oder Ketten und Buckelkörben ausgestattet, den Heiligen Nikolaus begleiten. Der Heilige Nikolaus (sein Ehrentag ist am 6. Dezember) bringt den braven Kindern ein Geschenk, während schlimme Kinder vom Krampus bestraft werden. Der Krampus hat fast immer einen Buckelkorb am Rücken. Man sagt sich, dass dort schlimme Kinder hineingesteckt und mitgenommen werden. Der Unterschied zwischen Krampus und den Perchten liegt oft in dem Aufwand mit dem das Kostüm gemacht oder zusammengestellt wird. Die Krampusse sind hier weniger aufwendig dekoriert und haben leichtere Kostüme, da sie auch länger unterwegs sind. In vielen Orten finden noch die traditionellen Hausbesuche statt. Die Eltern können sich die Krampusse samt Nikolaus sozusagen nach Hause bestellen, der Nikolaus geht so von Haus zu Haus, mal dürfen die Krampusse hinein, mal nicht. Das hängt davon ab, wie brav die Kinder während des Jahres waren. Für alle Kinder bringt der Nikolaus ein Geschenk: meist sind das Nüsse, Mandarinen und Süßigkeiten. In Murau werden diese Hausbesuche und auch der Krampusumzug vom Verein der Wirtschaftstreibenden Murau Aktiv organisiert. In den umliegenden Orten wird dieser Brauch von den örtlichen Landjugendgruppen durchgeführt.

 

Gute Wünsche für das neue Jahr

Nicht nur Schreckensgestalten sind im Winter in der Region Murau-Kreischberg weit verbreitet. Nachdem das Jahr zu Ende geht, gibt es auch viele kleine und größere Traditionen rund um das Glück wünschen für das neue Jahr. Während in der Adventzeit Christkindlmärkte und Glühweinstände, kleine Handwerkskunstausstellungen und stimmungsvolle Adventkonzerte in feierlichem Rahmen den Dezember mit Licht und Wärme zu verschönern suchen, so sind es dann in den Tagen zwischen den Feiertagen die überlieferten Gepflogenheiten zur Gutheißung und Vorbereitung für ein neues Jahr.

 

Frisch und G'sund schlagen

Das "Frisch und G'sund schlagen" ist ein alter Brauch, der heute noch in manchen Orten und Siedlungen am 28. Dezember, dem Tag der unschuldigen Kinder, ausgetragen wird. Kinder gehen mit Ruten von Haus zu Haus und wünschen den Bewohnern ein gutes und gesundes neues Jahr, indem sie die Erwachsenen mit der Rute schlagen und dabei einen Reim mit Glückwünschen aufsagen. "Frisch und G'sund, frisch und g'sund, nix klunzn und nix klogn bis i wieda kim schlogn..." was soviel bedeutet wie: "mögt ihr gesund bleiben, nichts zu beklagen oder bejammern haben, bis ich wieder komme". Während der Spruch weitergeht, wird mit der Rute auf das Hinterteil der Erwachsenen geschlagen. Nur so viel sei gesagt: diese Rutenschläge sind nicht so schmerzhaft wie jene vom Krampus.

 

Die Sternsinger

Der Tradition des Königssingens ist wohl weithin, auch außerhalb der Steiermark und Österreich, bekannt. Diese Aktion wird jedes Jahr von der katholischen Kirche veranstaltet, gesammelt wird dabei für ein Hilfsprojekt. Die Sternsinger, also die Heiligen Drei Könige gemeinsam mit dem Sternträger (er oder sie trägt den Stern von Bethlehem und geht den Königen voraus), kommen zu jedem Haus am Anfang des Jahres, zwischen dem 2. Jänner und 6. Jänner. Sie verkünden den Bewohnern die frohe Botschaft der Geburt Christi in Form von Gedichten und Liedern und wünschen Gottes Segen und ein gutes neues Jahr. Während sie in der Wohnstube den Geruch von Weihrauch und Myrrhe verströmen, hinterlassen sie auch am Türrahmen an der Eingangstür ihre Spuren. Haben Sie sich schon einmal gefragt, was diese Zeichen an der Tür bedeuten? C + M + B und die Jahreszahl werden bei Holztüren mit Kreide geschrieben, bei Wohnungstüren wird oft schon ein Aufkleber benutzt. Die Buchstaben stehen für "Christus mansionem benedicat" was bedeutet "Christus segne dieses Haus". Die Aufschrift, die die Sternsinger am Türstock hinterlassen, soll jedem Menschen, der ein und aus geht, einen Segenswunsch mitgeben.