Von Murowe bis Murau

Die Entwicklung unserer Stadt

>>> Hier finden Sie einen Überblick mit den wichtigsten Daten und Persönlichkeiten von Murau seit 1220.

 

An der Kreuzung von zwei Salzstraßen in der Römerzeit bot sich das heutige Egidifeld schon vor 2000 Jahren als geeigneter Platz für eine Siedlung an. Um die Jahrtausendwende wird hier eine erste Kaufmannssiedlung mit dem Namen Altenmarkt genannt; eine Brücke (an der Stelle des heutigen E-Werkes von Murau) ermöglicht den Aufstieg zum Priewaldsattel und weiter nach Friesach bzw. in den Süden. Aus älteren Siedlungen an gleicher Stelle gibt es Funde von römischen Grabsteinen und Münzen sowie Grabbeigaben eines Friedhofes aus der Karantanenzeit.

Im 13. Jahrhundert sind die Ritter von Liechtenstain (heutige Schreibweise: Liechtenstein oder Lichtenstein) die Lehensherren über den Landkreis Murowe, der sich von der Landesgrenze zu Salzburg bis ins heutige Judenburg erstreckt. Der Minnesänger Ulrich v. Liechtenstein sichert seinen Besitz durch den Bau des Castrum Murowe, das im Jahr 1250 seinem Sohn Otto II als Heiratsgut übergeben wird, mit dem Auftrag, das Land gegen Westen hin zu schützen.

Während der nachfolgenden 28 Jahre entsteht die heutige Altstadt als neue Anlage rund um den Burgberg, da die Siedlung Altenmarkt 1260 durch böhmische Truppen zerstört wurde. Otto II lässt die neue Ansiedlung mit einer wehrhaften Mauer umgeben und verleiht ihr das Markt- und Stapelrecht mit Wappen, welches noch heute als Stadtwappen von Murau gültig ist.

1298 wird Murowe zur Stadt erhoben, nachdem sich Handel und Handwerk hier sehr erfolgreich entwickelt haben.

Von den einst 9 Stadttoren existieren derzeit noch zwei, das Gießhübel- oder Salztor im Nordwesten der Stadt und das Friesacher Tor am Südufer der Mur, wohin sich die Stadt nach 1300 ausdehnte und ebenfalls durch wehrhafte Burg- und Maueranlagen geschützt war.

Einige Jahreszahlen von Neugründungen lassen die rasche Entwicklung zu wirtschaftlicher, kultureller und sozialer Bedeutung der Stadt erkennen:

1294 schenkt Otto II dem Bischof von Lavant eine Herberge (heute die Apotheke)

1296 wird die katholische Basilika am Fuße des Schlossberges geweiht und 1333 zur eigenständigen Pfarrkirche erhoben

1304 werden ein „Gesellenpriester“ und ein „Schulmeister“ genannt. Die Söhne der Adeligen und später der besonders betuchten Bürger erhalten erste Schulbildung, in der Reformation ist es bereits eine „Lateinschule“, die leider durch die spätere Vertreibung des protestantischen Schulmeisters geschlossen wird

1311 bekommt die Stadt von Otto III ein erstes „Armen- und Siechenhaus“ (das bis ins 18. Jh. als Bürgerspital dient)

1329 baut man dazu die Spitalskirche (heute St. Elisabeth), die aber erst 1457 in einem Ablassbrief erstmals schriftlich erwähnt wird

1400 ist das Weihejahr der heutigen Friedhofskirche St. Anna, einer Stiftung von Rudolf Otto – genannt Rudott – von Liechtenstein, bemerkenswert sind die bunten Glasfenster und Fresken von 1538, den Stammbaum Jesse darstellend. Bald danach entsteht am Platz der Burgkapelle von Grünfels die Kirche St. Leonhard, die nach achtjähriger Bauzeit geweiht und später zur Wallfahrtskirche erhoben wird. Stifter dieses gotischen Juwels sakraler Baukunst ist Niklas v. Liechtenstein.

Während seines Lebens im 15. Jahrhundert entwickelt Murau sich zum Hauptort der Hammerherren. Die Zukunft der Eisengewerke zählt 9 Radmeister, 3 Schmiede und 5 Strecker; überall an der Mur und ihren Seitenbächen entstehen Eisenerz verarbeitende Betriebe. Die Hammerherren bewohnen in der Stadt die größten und bestausgestatteten Bürgerhäuser und verkörpern selbstbewusstes, wohlhabendes Bürgertum.

Auch die übrigen Handwerker schließen sich zu Bruderschaften zusammen: Weber- und Hutmachermeister, Lodenwalker, Müller- und Bäckermeister, Fleischer und Selcher sowie Gerber sind für den Umkreis von 10 Meilen (ca. 17 km) geschützte Zünfte der Stadt Murau.

Im Salzamt (heute Bäckerei Atzenhofer) wird gegen Waren aus dem Süden Salz eingetauscht.

1495 braut man erstmals Bier

Alle hier erlegten Steuern und Abgaben (Eisen wird in der Eisenniederlage bewertet; noch heute kennt man zwei Mauthäuser) bleiben bei der Herrschaft Murau, die sich bis zur Entdeckung der Seewege bemerkenswert entwickelt. Nach diesem entscheidenden Ereignis (die Schifffahrt ersetzt den Weg über die Alpen) verebbt im 16. Jahrhundert der Durchzugshandel, die Herrschaft Liechtenstein verschuldet.

Die Protestantenvertreibung der Reformation tragen ebenfalls zum wirtschaftlichen Niedergang der Herrschaft bei, da viele der bedeutenden Bürger zum Protestantismus übergetreten sind und ihre Heimat verlassen müssen.

1566 heiratet Christoph v. Liechtenstein die schon verwitwete, protestantische Anna Neumann, Tochter der Hauptgläubigerin Barbara Neumann, aus Wasserleonburg (Kärnten). Anna kommt ohne ihre beiden Töchter aus der ersten Ehe nach Murau und bleibt hier fortan kinderlos, wodurch sie in den Ruf einer „Teufelsbraut“ gerät. Mit ihrem eigenen Reichtum kauft sie Christophs Geschwister das Liechtenstein´sche Erbe ab, somit ist sie ab 1574 die Herrin von Murau.

Ihr Leben ist geprägt von Schicksalsschlägen aller Art (früher Tod ihrer beiden Töchter, Tod von insgesamt 5 Ehemännern und all ihrer Verwandten, Anfechtung seitens der katholischen Kirche und der Bevölkerung, deren Aberglaube die Handlungsweise dieser außergewöhnlich intelligenten und gebildeten Frau als von bösen Mächten gesteuert wähnt und sie sogar in Hexenprozesse verwickelt).

Als besonderes Vermächtnis stiftet Anna Neumann ein ewiges Recht auf Bau- und Brennholz der Hausbesitzer, freie Sommerweide für die Viehzüchter in ihrer Stadt, ein gewinnbringendes Banksystem (das unter anderem sehr bald auch den Kaiser zu ihrem großen Schuldner werden lässt!), Armen- und Krankenversorgung sowie Murau als Schutzzone für verfolgte Protestanten unter ihrer Patronanz – bereits 200 Jahre vor dem Toleranzpatent des späteren Kaisers Josef II!

Nach fast 60 Jahren außergewöhnlichen Wirkens in unserer Stadt stirbt Anna Neumann im Beisein ihres letzten Gemahls, Georg Ludwig Reichsgraf zu Schwarzenberg, im Dezember 1623. Sie hinterlässt ihrem, um 50 Jahre jüngeren, Gatten ein wohlgeordnetes, überaus reiches Erbe.

Der katholische Reichsgraf setzt sich durch die Gründung eines Kapuzinerklosters vehement für die Gegenreformation ein. Anstelle der mittelalterlichen Burg entsteht ein neues Schloss im Stil der Italienische Renaissance, welches der österreichische Hauptsitz des Geschlechts wird.

1656 – 1660 entstehen die Schwarzenberg´schen Hammerwerke Turrach und Paal, wo erstmals in der Monarchie im 19. Jahrhundert die Veredelung zu Bessemer- und Paaler Stahl gelingt

1670 wird das Grafengeschlecht zu „gefürsteten Herzögen von Krumau“, also in den Reichsfürstenstand erhoben und ist in unserem Gebiet der größte Feudalherr mit der Hohen Gerichtsbarkeit, d. h. Gerichtsbarkeit mit dem Recht zur Vollstreckung von Todesurteilen. (Der Galgen bei Murau wurde 1771 ein letztes Mal benützt)

Durch den Niedergang des Feudalwesens (den Grundherren wird ein Großteil ihrer Macht entzogen; Gerichtsbarkeit, Schulwesen und Steuersystem wird staatlich geordnet und von Wien aus überprüft), Seuchen, Unruhen in der Bauernschaft und Bedrohungen durch Feinde des Reiches wird das 18. Jahrhundert auch in Murau zu einer eher fruchtlosen, unerfreulichen Zeit. Mehrere Großbrände äschern ganze Straßenzeilen und Plätze ein, durch den Wiederaufbau wird das Stadtbild neu geprägt.

Das viel zitierte Barockzeitalter hinterlässt hier lediglich einige sakrale Kunstwerke der Innenausstattung unserer Kirchen sowie die Pestsäulengruppe des Bildhauers Balthasar Brandstätter auf dem Hauptplatz der Stadt Murau.

Im 19. Jahrhundert wird die Aufbruchstimmung der „Gründerzeit“ auch in Murau spürbar: Söhne von angesehenen Bürgerfamilien erreichen besondere Stellungen im Bereich der Wissenschaft.

1894 Eröffnung der Murtalbahn

Das gesellschaftliche Leben in Murau ist durch Vereinsgründungen belebt, von denen der Turnverein, Wintersportverein, Musikverein und Alpenverein längst ihren 100. Geburtstag hinter sich haben.

1923 schließt das letzte Hammerwerk seine Tore, da der neue Standort Leoben-Donawitz die moderne Entwicklung der Stahlindustrie eher begünstigt.

1924 entsteht auf der Stolzalpe ein neues Kinderheim und

1929 ein Kurhaus für Patienten mit Knochen-TBC, die nur hier durch besonders viele Sonnenstunden ausgeheilt werden kann.

Ein Freibad und die erste Sprungschanze werden errichtet, was für den aufkeimenden Fremdenverkehr eine besondere Attraktion ist.

Auf der Frauenalpe bieten die neuen Schutzhütten den Bergwanderern Herberge bzw. Unterstand.

Nach dem 2. Weltkrieg marschiert erstmals wieder die Murauer Bürgergarde im Festzug des Heimkehrerfestes. Als Bürgerwehr im Mittelalter notwendig, später als Garde bei den barocken Prozessionen, ist sie durch die Kriegswirren in Vergessenheit geraten und durch den Apotheker Mag. Ernst Gasteiger wieder neu gegründet worden.

Murau – bereits 1848 zur Bezirkshauptstadt erklärt – wandelte sich vom Handelsstädtchen zur Verwaltungs- und Schulstadt; mit dem modernen Fremdenverkehr wurde ein weiteres Standbein der Wirtschaft geschaffen.